Die Traditionelle Tracht von Lodè
Lodè, das auch auf Sardisch denselben Namen trägt, ist eine Gemeinde in der Baronia, in der Provinz Nuoro, gelegen zwischen den Hügeln auf 345 Metern Höhe. Einer Hypothese zufolge geht der Name auf die phönizische Wurzel LOD-LOTT zurück, die „verborgen“ oder „versteckt“ bedeutet und auf die isolierte, geschützte Lage des Ortes zwischen den Höhenzügen verweist; der Volksüberlieferung nach wurde der Ort hingegen von einem Hirten namens Lodde oder Loddeddu gegründet, der vor einer nahegelegenen, durch eine schwere Epidemie zerstörten Ortschaft geflohen war. In mittelalterlichen Dokumenten als Villa de Lotde oder Villa de Locde erwähnt, lag die Siedlung an der Westgrenze des Giudicato di Gallura; nach dessen Zusammenbruch ging sie 1323 von der pisanischen zur aragonesischen Herrschaft über und wurde 1431 ein Lehen der Baronia di Posada, bevor sie im 17. Jahrhundert Teil der Contea di Montalvo wurde, bis zur Aufhebung des Feudalsystems im Jahr 1839.
Frauentracht
S’uresi, der Rock aus Orbace oder Tuch (‘unnedda de ‘uresi oder de grana), ist mit su tzertziopere verziert — gearbeiteter Samt und polychrome Seide, die die Falten zusammenhalten und bis zur Rockmitte reichen; an den seitlichen Paneelen bilden sas màsculas zwei dreieckige Taschen mit der Spitze nach unten, sos ghetis, mit gearbeitetem Samt und polychromer Seide bis zum Saum geschmückt. Sa tùnica, der Unterrock aus weißem Baumwollstoff, geräffelt in der Taille, schimmerte leicht unter dem Rock hervor und war an der Basis mit Spitze sa randa und/oder Stickereien verziert; zwischen sa tùnica und s’uresi trug man sa buzaga, einen rechteckigen Stoffbeutel mit Bändern zum Zubinden an der Taille bei einer oder beiden seitlichen Öffnungen. Ab den 1920er–30er Jahren erschien auch sa ‘unnedda de tubè, ein Wollrock in Blau, Braun, Bordeaux, Grün oder Schwarz für die Trauer. Sa camisa, aus Trambiche (weißes Baumwollgewebe), hat mit der Nadel bestickte Manschetten und Kragen — su coro — mit Brustpartie in Häkelarbeit oder Lochstickerei und zwei bagas am Hals für sos butones d’oro; darunter trug man su dossete, ein ärmelloses Baumwollunterhemd, und sas petorreddas, Rechtecke aus Lochstickerei-Baumwolle. Su zacru ist die Weste aus orangefarbenem Tuch mit gearbeitetem Samt, Seidenborte fetas de seta, polychromen Seidenstickereien in puntu prenu — faeddas und ispateddas — und goldenem Gallone; durch Häkchen in der Taille geschlossen, innen aus Samt. Su curitu ist das Mieder aus rotem Tuch mit Samt, Brokat und Borte, mit weiten seitlich offenen Ärmeln aus denen die Hemdärmel herausquollen; die Manschetten enden in zwei Spitzen sos ghetis in puntu ritzu, umgeschlagen um die Hemdstickerei zu zeigen. Wie su zacru war su curitu zweiseitig: die verzierte Vorderseite für Hochzeiten und Feste, die Rückseite a s’imbessa für den Alltag. Su zibbone, aus gearbeitetem Terziopelo mit plastischen Blumenapplikationen aus Seide, ist kürzer und anliegender mit engen Ärmeln; über su dossete und sas petorreddas in verschiedenen Farbkombinationen, völlig schwarz für die Trauer. S’arda ist die rechteckige Schürze aus Seide, am Saum befranst und in polychrome Seide gestickt, für Festtage; s’asca oder imboza war der in puntu prenu bestickte Seiden- oder Baumwollgürtel, in der Taille — a su chithu — getragen um die Hüften zu betonen und den Abstand zwischen Rock und Mieder zu verdecken. Unter den Kopfbedeckungen: su mucatore de seta, ein gefranster quadratischer Violett-/Schwarzschal zu einem Dreieck gefaltet, für Hochzeiten; sa careta — in den Varianten tunda und a curcuddu — eine Haube aus Brokat, goldenem Gallone und Seidentaft zum Aufnehmen der Haare; sa benda, ein Baumwoll- oder Leinentuch 30 cm breit und 140 cm lang, zweimal um den Kopf gewickelt mit einem hängenden Ende, bis 1920 nur mit su curitu a s’imbessa getragen. Danach folgte su mucatore ‘e metro aus Tibetwolle, später das mucatore a filu ‘e oro in Gold oder polychrome Seide gestickt, mit sa ‘unnedda de tubè getragen.
Männertracht
Sa berrita, die zylindrische schwarze Tuchmütze, wurde seitlich hängend getragen. Sa camisa, aus Trambiche, hat fein bestickte Manschetten und Kragen — su coro — mit zwei bagas am Hals für sos butones d’oro. Sa grutzita ist die Weste mit schwarzer Samtfront und rotem Tuchboden, am Hals mit Borte und polychromen Seidenstickereien verziert. Sos caltzones sind die Hosen aus schwarzem Orbace mit Samtkante an Seiten und Taschen; sas caltzas de ‘uresi, aus weißem Orbace, wurden im Laufe der Zeit durch weiße Baumwollstrümpfe ersetzt. Sa chintòglia ist der bestickte Ledergürtel, in der Taille getragen. Su gàbbanu ist der lange Mantel mit Kapuze aus schwarzem Orbace, an Manschetten, Taschen und Kragen in Samt abgeschlossen. Sa zubba, die schlichte schwarze Tuchjacke für den Alltag, ist heute fast verschwunden.
Historische Region
Baronia
Provinz
Nuoro (NU)
Dominante Farben
Schwarz, Rot, Orange, Violett
Hauptstoffe
Orbace, Samt, Brokat, Seide, Tuch